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Wir erinnern uns, vor knapp drei Jahren, es war schon Herbst, da erschien das erste Album von „La Grande Illusion“. Und während die einen noch überlegten, wie man das nun ausspricht (erst französisch, dann englisch) oder welche Referenzen im Verborgenen liegen (nein, nicht der Film von Jean Renoir, sondern ein Song der Television Personalities), während die einen also noch dachten,
hatten die anderen längst gefühlt: Diese Platte ist wie wir, hier, im Herbst. Ein bisschen nachdenklich, wehmütig, sehnsüchtig. Draußen wehte der Regen, drinnen tröstete die Musik. Versprach uns wärmere Nächte und sanfteren Wind.

 

Nun ist sie wieder da, die große Illusion. „It’s not okay what you did“ – kein Vorwurf, kein Ausrufezeichen, sondern wieder ein Versprechen. It’s not okay what you did – aber es ist auch nicht so schlimm. Traurig, manchmal, versöhnlich, vor allem.

 

Dreizehn Songs, viele davon über das „du“ und das „ich“, über Distanz und Nähe. Melodien aus Saiten und Tasten und fedrigen Beats. Und eine Stimme, die uns zeigt: So warmherzig kann Eleganz sein. Musik, die zu uns kommt und den Alltag unterpegelt. Die den Fernseher ausmacht und die Augen auf. Und schon nach wenigen Minuten will man nichts mehr zu tun haben, mit all dem Zynismus und all der Coolness, die einen sonst so durchs Leben trägt.

 

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Eine Illusion mag eine Täuschung sein. La Grande Illusion ist die Einheit der Gegensätze. Ein Solo- Projekt (Heiko Badje), das klingt wie eine Band. Ein Album, das akustisch und elektronisch ist, analog und digital, euphorisch und melancholisch, verspielt und ernst. Alte Bekannte klopfen an: „Brandnew-Life“ von den Young Marble Giants. „I wanna be your dog“ von den Stooges – und weil es so schön klingt, wenn die großen Haudegen von einst mit dem großen Pop von jetzt verschmelzen, erscheint dieses Stück als Online-Single. Ja, den Denkern unter uns wird auch dieses Album wieder viel zu tun geben. All die subtilen Anspielungen, all die feinsinnigen Spielereien. Wenn Pop die reine Oberfläche ist – wie tief muss die Tiefe darunter sein? Wie komplex ist Schönheit? Und während die einen noch darüber nachdenken, werden die anderen fühlen: Diese Platte ist, wie wir uns das Leben wünschen, wenn wir ganz ehrlich zu uns sind. Ein bisschen verträumter, zerbrechlicher und glücklicher als der Alltag da draußen. Mehr Stil und weniger Schreierei. Schön, dass es das jetzt gibt.

 

Und vielleicht ist das ja die wahre Täuschung von La Grande Illusion: Sie täuscht gar nicht. Sie ist
ganz aufrichtig. ... zurück